10.04.2018

Das unrühmliche Ende der Ära Taskin Aksoy

Hintergründe zur Trennung des Fortuna-Trainers

Ex-Fortuna-Trainer Taskin Aksoy erklärt hier Axel Bellinghausen, wo es langgeht.

Es gibt Vereine, die aus taktischen Gründen unpopuläre Maßnahmen genau dann ergreifen, wenn es ansonsten sportlich sehr gut läuft. Ob die Trennung von Taskin Aksoy vergangene Woche ein solches „Versteckspiel“ war, ist nicht relevant.

Was bleibt, ist die Tatsache, dass die Beurlaubung nach außen hin völlig überraschend kam und Aksoy selbst aus allen Wolken fiel. Warum die verkündete konzeptionelle Neuausrichtung der zweiten Mannschaft nicht unter Beteiligung des 50-Jährigen stattfand, wurde weder ihm selbst noch der Öffentlichkeit mitgeteilt. Aksoy selbst hält sich verständlicherweise mit Äußerungen zurück, da er offiziell noch Angestellter des Vereins ist, genau wie sein Co-Trainer Mathias Jack. So bleiben noch einige Fragezeichen, warum der Verein nicht ganz einfach bis zum Ende der Saison gewartet hat.

Der Abstand zum Tabellenkeller wurde nach dem guten Start von Fortunas U 23 in die Saison zuletzt immer kleiner. Offenbar hat die Vereinsspitze und die Führung des Nachwuchsleistungszentrums Aksoy nicht mehr zugetraut, mit der Mannschaft den Klassenerhalt sicher zu erreichen – trotz der in der Mannschaft weiterhin gezeigten Einsatzbereitschaft. Und so ganz bedrohlich sah es dann tabellarisch auch nicht aus. Aber mit der Klarheit, dass der Trainer weiß, dass er in der kommenden Saison nicht mehr verantwortlich sein wird, hätte es natürlich Motivationsprobleme geben können. Hätte Aksoy die letzten acht Spiele der Saison noch mit voller Kraft für den Erfolg arbeiten können, wenn er über das Vertragsende zum Saisonende informiert worden wäre?

In Jens Langeneke erhält ein A-Lizenzinhaber Vorzug vor dem erfahreneren Fussballlehrer Sinisa Suker. Das erschließt sich nicht auf den ersten Blick und wirft die Frage auf, was für die nächste Saison geplant ist. Zwar hat Jens Langeneke als Co-Trainer und Coach der U 17 bisher offensichtlich sehr gute Arbeit geleistet. Es ist allerdings trotzdem wahrscheinlich, dass ein neuer Fussballlehrer für die U 23 gesucht wird. Die Berufung von Langeneke ist dadurch begründet, dass der Ex-Profi lange für die U 23 als älterer Spieler aktiv und zuletzt auch Co-Trainer war. Er wusste über alle Abläufe rund um das Team Bescheid. Zudem hat die U 17 in der B-Junioren-Bundesliga auch durch die gute Arbeit von Ex-Profi Langeneke als Trainer dort den Klassenerhalt schon gesichert.

In den offiziellen Mitteilungen des Vereins wurden Worte des Dankes für die von Aksoy geleistete Arbeit äußerst sparsam ausgesprochen. Das widerspricht dem Anspruch, als ein Verein mit Herz rüberzukommen. Und es ist undankbar jemandem gegenüber, der seit Juni 2012 in der U 23 mit bescheidenen Mitteln auskommen musste und zumindest sportlich so erfolgreich war, wie es unter diesen Umständen möglich. Zudem hatte er ab Februar 2015 für kurze Zeit die Profis als Interimstrainer übernommen. Doch es ist auch klar, dass der Verein keine große Dankbarkeit aus arbeitsrechtlichen Gründen aussprechen kann, wenn es keine einvernehmliche Trennung gegeben hat.

„Für die kommende Saison wollen wir eine Veränderung auf dieser Position vornehmen. Nach eingehender Analyse und im Sinne aller Beteiligten erachteten wir es als sinnvoll, diesen Schritt jetzt schon zu vollziehen“, sagte Sportvorstand Erich Rutemöller.

Kommentar

Die Beurlaubung von Taskin Aksoy und der ungewöhnliche Zeitpunkt haben einen faden Beigeschmack hinterlassen. Klar ist, dass der Verein sehr gute Gründe gehabt haben muss, die zu der harten Entscheidung zu diesem Zeitpunkt geführt haben. Die Menschenführung von Aksoy war innerhalb des Verein nicht unumstritten. Es soll schon länger Probleme gegeben haben, und der Kredit war wohl aufgezehrt. Jetzt, wo man im Nachwuchsleistungszentrum über die konzeptionelle Neuausrichtung nachgedacht hat, wurde offenbar schnell allen bewusst, dass das Tischtuch so zerschnitten war, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist. Das heißt auch, dass im Hinblick auf einen möglichen Aufstieg in die Bundesliga der Profis, die Nachwuchsarbeit im neuen Leistungszentrum anders strukturiert werden muss. Dazu wollte die Fortuna so schnell wie möglich klare Fronten. Und das ging nicht ohne dieses „Opfer“ ab.

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