09.05.2018

KFC Uerdingen – zurück auf der Landkarte

Spitzenreiter kann Meisterstück machen

Der Ottifant jubelt, mit ihm die Fans. Doch noch ist der KFC nicht aufgestiegen. (Foto: Jochmann)

In Krefeld hoffen sie. In Krefeld zittern sie. Mit einem Sieg am Sonntag kann der KFC Uerdingen als Spitzenreiter der Regionalliga West denvorletzten Schritt auf dem Weg zurück in den Profifußball machen.

Ein Erfolg beim SC Wiedenbrück (14 Uhr) würde dem Team von Trainer Stefan Krämer die Teilnahme an den Relegationsspielen zur 3. Liga ermöglichen. Sollte dem Pokalsieger von 1985 dieser Coup gelingen, wäre es der größte sportliche Erfolg seit dem Absturz in den Amateurfußball Anfang der 2000er Jahre.

Abstiege, Insolvenzen, Retterspiele: Die Realität beim Verein, der 1986 das Jahrhundertspiel in der Grotenburg mit 7:3 gegen Dynamo Dresden gewann, war hart. 2008 musste der KFC den bitteren Gang in die sechstklassige Niederrheinliga antreten. Ein Verein ganz unten. Der Weg zurück? Kein leichter. Es dauert zehn Jahre, bis der KFC sich von Misswirtschaft und sportlicher Inkompetenz erholt. Das Ziel scheint jetzt zum Greifen nah. Nachdem den Blau-Roten zur aktuellen Saison hin erst die Rückkehr in die Regionalliga geglückt war, ist die 3. Liga nur noch 270 Minuten entfernt. Der Verein strebt mit Macht nach oben. Angetrieben von einem Mann: Mikhail Ponomarev. Der Vorstandsvorsitzende hat seit dem Sommer 2016 das Sagen beim KFC. Sein Ziel: die 2. Bundesliga. „Wir brauchen die Überzeugung, es schaffen zu können“, sagt Ponomarev im Interview mit der Westdeutschen Zeitung. Überrascht sei er vom Erfolg nicht. „Es ist doch so geplant“, sagt der Investor achselzuckend. Geplant mit Ponomarevs Millionen.

Drei Millionen Euro beträgt der Etat des KFC in der Regionalliga – als Aufsteiger. Der Wert des Kaders, der mit Ex-Bundesligaprofis wie Maximilian Beister, Christopher Schorch oder Christian Dorda besetzt ist, wird auf 2,9 Millionen Euro beziffert (Quelle: transfermarkt.de). Ponomarevs Devise: Erfolg um jeden Preis. Von der Aufstiegsmannschaft spielt kaum noch ein Akteur regelmäßig – ohnehin sind nur noch acht Spieler des Oberligateams dabei.

Die Trainer André Pawlak und Michael Wiesinger mussten trotz sportlichen Erfolgs gehen. Drei Unentschieden hatten den KFC zu Beginn 2018 im Kampf um den Meistertitel in der Regionalliga ins Hintertreffen gebracht. Die Mannschaft wirkte verunsichert, die Chance auf den Durchmarsch von der 5. In die 3. Liga schien dahin. Ponomarev – nicht immer unumstritten und in diesen Tagen schwer genervt – sah sein ambitioniertes Projekt gefährdet und holte einen neuen Trainer: den dritten innerhalb von acht Monaten. Freilich mit Erfolg. Seit der Verpflichtung von Stefan Krämer im März dieses Jahr siegte der KFC in zehn von elf Spielen. Der Plan des Vorstandsvorsitzenden scheint aufzugehen. Der Traum vom Aufstieg lebt.

Die Entwicklung ist allerdings so rasant, dass die Stadt Krefeld nicht mithalten kann. Weil die Grotenburg über Jahrzehnte nicht saniert wurde, stand die Politik vor einer wegweisenden Entscheidung. Gelingt der Aufstieg in die 3. Liga, muss die altehrwürdige Kampfbahn für rund neun Millionen Euro renoviert werden. Sonst darf der KFC laut den Statuten des DFB nicht in seinem Heimstadion antreten. Ein halbes Jahr wurde in den Ausschüssen diskutiert, dann entschied sich der Stadtrat für das millionenschwere Renovierungspaket.

Innerhalb des Vereins hatte Ponomarev bereits im Vorjahr die Weichen auf Profifußball gestellt. Die Vereinsmitglieder stimmten im September 2017 fast einstimmig für die Ausgliederung der Profiabteilung in eine GmbH. Ponomarev versprach an diesem Abend „ehrliche Arbeit“. Fünf Monate später wurde das Stammkapital der KFC Uerdingen 05 Fußball GmbH auf eine Millionen Euro aufgestockt. Der Verein erfüllt damit die Grundvoraussetzung, um am Spielbetrieb der 3. Liga teilzunehmen. Doch auch Deutschlands 3. Fußball-Liga könnte nur eine Durchgangsstation sein. Finanziell wähnt Ponomarev seinen Verein mit dem aktuellen Etat und zusätzlichen Fernsehgeldern bereits jetzt im Mittelfeld der 3. Liga. Die Suche nach weiteren Investoren hat längst begonnen.

Kommentieren

Vermarktung: