08.06.2018

Oberligisten sind zufrieden und doch enttäuscht

Fußball im Kreis Mettmann

(Foto: Achim Blazy)

Als der FC Monheim (FCM) im August des vergangenen Jahres vor dem ersten Spieltag stand, regierte rund ums Rheinstadion die Ungewissheit. Auf der einen Seite hatten sich die Monheimer für ihre Premierensaison in der Fußball-Oberliga gut verstärkt. So waren etwa in Philip Lehnert, Benjamin Schütz oder Gordon Weniger Spieler gekommen, die ihr gehobenes Niveau bereits in anderen Vereinen nachgewiesen hatten. Die Qualität im Kader sollte damit eigentlich reichen, um in der neuen Spielklasse konkurrenzfähig zu sein.

Auf der anderen Seite war in den Jahren zuvor aber alles sehr schnell gegangen. Nach dem souveränen Landesliga-Aufstieg 2016 gelang direkt der nicht für möglich gehaltene Durchmarsch in die Oberliga. Weil dieser zweite Aufstieg durch einen Last-Minute-Treffer in Qualifikations-Rückspiel gegen den VfL Rhede (2:2) auf die knappste mögliche Art gelang, sahen viele Klassenkonkurrenten im FCM sogar einen potenziellen Absteiger. Um so beruhigender wirkte dann der gelungene Saisonstart auf den Klassen-Neuling. Schon das 3:1 gegen Ratingen 04/19 ließ erahnen, dass sich das Team von Trainer Dennis Ruess in der neuen Spielklasse nicht würde verstecken müssen.

Dennis Ruess,FCM-Trainer

Und als die folgenden fünf Spiele weitere zehn Zähler für Monheim brachten und sich der Aufsteiger nach dem sechsten Spieltag plötzlich an der Tabellenspitze befand, stand die Diagnose endgültig fest: Monheim ist absolut oberliga-tauglich ist. „Das war natürlich sehr schön, so gut in die Saison zu starten und in einen Flow reinzukommen“, sagt Ruess im Rückblick. Während einige halb im Scherz und halb im Ernst bereits den nächsten Aufstieg für möglich hielten, mussten die Monheimer danach mit nur einem Sieg aus sechs Spielen die erste Talsohle durchlaufen – und fanden dann erst recht wieder in die Erfolgsspur: Die letzten fünf Spiele vor der Winterpause gewann der FCM und überwinterte dadurch auf einem famosen dritten Tabellenplatz. „Diese Wochen waren wohl die intensivste Zeit. Da hatten wir so gut wie alle Mann an Bord und man konnte sehen, was mit dieser Mannschaft möglich ist“, erläutert Ruess.

Nach dem Wiederbeginn im neuen Jahr blieb der FCM sehr stabil und spätestens nach dem deutlichen 4:1 beim Mit-Aufsteiger FSV Vohwinkel Wuppertal stand Anfang März fest, dass der Abstieg in dieser Saison kein Thema mehr wird. Der früh gesicherte Klassenerhalt erwies sich allerdings als Fluch und Segen zugleich. Einerseits konnten die Verantwortlichen nun zeitig die Planungen für die nächste Spielzeit in der Oberliga vorantreiben, andererseits drehten sich die sportlichen Ergebnisse plötzlich ins Gegenteil.

Lediglich zwei der elf ausstehenden elf Partien konnte der FCM noch für sich entscheiden, sieben Mal ging er als Verlierer vom Platz. Monheim, damals Dritter, belegte in der Schluss-Abrechnung lediglich Rang elf. „Wenn mir vor der Saison einer 50 Punkte angeboten hätte, hätte ich das natürlich blind unterschrieben. Von daher sind wir insgesamt sehr zufrieden mit dieser Saison. Aber ich erwische mich auch bei dem Gedanken, dass man vor allem gegen Ende einiges hätte besser lösen können. Die letzten Wochen waren zäh, nachdem wir den Klassenerhalt früh gesichert und uns dazu entschieden hatten, unsere zweite Mannschaft zu unterstützen“, urteilt Ruess.

Gerade gegen Ende ging der Aufsteiger personell auf dem Zahnfleisch. Wichtige Kräfte wie Lehnert, Philipp Hombach oder Kapitän Alexander Karachristos kamen deutlich seltener zum Einsatz als in der Hinserie. „Da haben wir gesehen, wie wichtig es ist, dass wir unseren Kader beisammen haben. Unter dem Strich haben wir eine sehr, sehr gute Runde gespielt. Wir sind aber dafür sensibilisiert worden, dass es nicht von alleine läuft“, räumt der Coach ein. Das Siegel oberliga-tauglich hat sich der FCM trotzdem in jedem Fall verdient. Und zu Beginn der nächsten Saison dürfte die Ungewissheit im Rheinstadion deutlich kleiner sein.

Mit einem Zwölferpack aus der Saison verabschiedet – was das positive Gefühl angeht, kann den Saisonausklang von Ratingen 04/19 nur wenig toppen. Und doch ist man beim Fußball-Oberligisten insgesamt zwar zufrieden – und doch auch ein wenig enttäuscht, dass eine gute Saison am Ende „nur“ für Rang sieben gereicht hat. Eine Analyse zum Ist-Zustand des RSV – und was sich ändern müsste, würde das Team von Trainer Alfonso del Cueto ein echter Titelkandidat werden wollen.

Was die Defensive angeht, gibt es bei den Ratingern kaum etwas zu klagen. Mit 45 Gegentreffern kassierte das Torhüterduo Dennis Raschka (32 Spiele) und Felix Burdzyk (zwei Einsätze) die drittwenigsten der gesamten Oberliga. Die Innenverteidigung mit Kapitän Mark Zeh und Phil Spillmann (erzielte sogar neun Treffer) ist eine Bank, auf der Außenbahn gehört Orhan Dombayci zu den Top-Spielern der Oberliga. Fynn Eckhardt auf der linken Seite schwächelte nach einem starken Start etwas. Weil Tim Manstein die Ratinger verlässt, braucht der Verein auf jeden Fall noch einen starken Innenverteidiger. Trainer del Cueto wünscht sich außerdem noch einen Linksverteidiger.

Im zentralen Mittelfeld lieferten Ole Päffgen, Erkan Ari und Fatih Özbayrak meist starke Leistungen ab. Manchmal jedoch könnte insgesamt ein wenig mehr körperliche Präsenz im Spiel sein – dies gilt jedoch vor allem für...

Mit 74 Toren erzielten die Ratinger die fünftmeisten Treffer der Liga. Zieht man jedoch die zwölf Treffer des letzten Spiels gegen den DSC ab, rutscht der RSV auf Rang zwölf ab. hängen. Ismail Cakici traf 17 Mal, Carlos Penan erzielte zwölf Tore. Auch Özbayrak (fünf Tore) und Luka Bosnjak (6) trafen ordentlich.

Und doch wäre gerade in der Abteilung Attacke mehr drin beim RSV. Cakici zum Beispiel erzielte nur vier seiner 17 Saisontore gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte. Und Penan müsste – bei seinen technischen und körperlichen Anlagen – problemlos die doppelte Anzahl an Treffern verbuchen können, müsste einer der besten Spieler der Liga sein – wenn er denn wollte. Der Angreifer wirkte jedoch gerade in dieser Saison oft ein wenig unkonzentriert und fahrig. Auch für Özbayrak gilt, dass er bei einer vernünftigen Chancenverwertung eine zweistellige Anzahl an Toren auf dem Konto haben müsste. Der 22-Jährige glänzte immerhin mit 15 Vorlagen.

Hier ist noch Luft nach oben. Will der RSV wirklich irgendwann das Thema Meistertitel angehen, muss gerade im vorderen Bereich kaltschnäuziger, mitunter auch mal etwas ruppiger agiert werden. Ein weiterer bulliger Knipser täte dem Team in der kommenden Saison sicherlich sehr gut.

Alfonso Del Cueto,RSV-Trainer

Torhüter Raschka ist inzwischen im vierten Jahr beim RSV. „Und jedes Jahr haben wir den Start ein wenig vergeigt“, sagt der Schlussmann. Zwei Trainer hatte das in den vergangenen Spielzeiten gar den Job gekostet. Auch in der vergangenen Saison musste Karl Weiß nach nur sechs Punkten aus sieben Spielen dran glauben. „Du musst in den ersten fünf, sechs Spielen ein kleines Polster holen, gleich oben mit dabei sein“, betont Trainer del Cueto. „Sonst läufst du die ganze Saison der Musik hinterher.“ Auch Kapitän Zeh hämmert auf Konzentration ab Spiel eins: „Wir müssen sofort hellwach sein“, betont der Routinier. „Gerade am Anfang der Saison haben wir Spiele verloren, in denen wir nicht schlechter waren, sondern einfach weniger clever.“

Ein Umstand für die meist mäßigen Starts ist sicherlich auch, dass die Trainer Jahr für Jahr massive Umbrüche im Kader zu verkraften hatten: Der Nachteil einer talentierten, jungen Mannschaft ist nun einmal, dass gute Spieler abgeworben werden. Um so wichtiger ist es, dass die Stammelf der Ratinger bereits für die kommende Saison unter Vertrag steht.

So wird das Team zumindest eingespielt in das neue Jahr starten können. Und dank der Zugänge wie Denis Ivosevic und den erwarteten Transfers von weiteren Innenverteidigern und Offensivspielen dürfte Ratingen hier qualitativ noch einmal zulegen.

Kommentieren

Vermarktung: