Ex-Profi beim Kreisligisten Hellas Wuppertal

21.08.2014

Hantzidis will Hellas aus dem Tal der Tränen führen

Die Spieler von Hellas Wuppertal hören nun auf die Kommandos von Minas Hantzidis. Fotos: Gerhard Bartsch

Minas Hantzidis ist nicht nur ein stolzer Grieche, sondern auch in Wuppertal fest verwurzelt. Hier lernte er in den frühen 70er-Jahren bei Heckinghausen-Vorgänger Eisenbahn Ost auf dem damals noch staubigen Platz an der Widikindstraße das Fußballspielen, ehe es ihn über Bayer 04 Leverkusen hinaus in die große Fußballwelt trieb. Acht Jahre erste griechische Liga, zehn Länderspiele mit der WM-Teilnahme 1994 als absoluten Höhepunkt, stehen in seiner fußballerischen Vita.

Von Günter Hiege

Seit Jahren lebt er wieder in Wuppertal – inzwischen in Wuppertals griechischer „Kolonie“ an der Berliner Straße und steht seit einigen Wochen bei einem Kreisligisten an der Seitenlinie. Natürlich einem griechischen, denn der 48-Jährige, der noch in der Traditionsmannschaft von Bayer Leverkusen spielt, hat es sich auf die Fahnen geschrieben, Hellas Wuppertal wieder aus dem Tal der Tränen zu führen. Vorgänger Apollon spielte an der Clausewitzstraße sogar mal Bezirksliga, danach ging es bergab, mit vielen Querelen. Auch die Gründung von Hellas brachte da zunächst keine nachhaltige Besserung. Immer wieder war Hantzidis angesprochen worden, ob er denn helfen könne. „Ich mache das nicht für lau, habe ich stets gesagt“, so Hantzidis. Dass er jetzt doch rein ehrenamtlich den Trainerjob übernommen hat, ist Ex-Hellas-Präsident Jodros Sbilias zu verdanken, dem er noch einen Gefallen schuldete. „Er hat mir geholfen, als ich keinen Job hatte“, sagt Hantzidis. Jetzt zahlt er mit Herzblut und Einsatz zurück.

Den griechischen Fußballern in Wuppertal wieder eine Heimat geben

„Ich möchte den griechischen Fußballern hier wieder eine Heimat geben“, versichert er und geht die Sache, wie es sich für einen Ex-Profi gehört, den bescheidenen Rahmenbedingung zum Trotz so professionell wie möglich an. „Ich erwarte Disziplin und will hier keine Kompromisse machen. Ich will hier keine Gelbe Karte wegen Meckerns sehen", berichtert er von der Grundphilosophie, die er seinen Landsleuten vermitteln will. Hantzidis, früher selbst als Heißsporn bekannt, will mit gutem Beispiel vorangehen.
Viermal die Woche steht er auf dem Trainingsplatz, denn zwei Mannschaften sind zu betreuen, die beide in der Kreisliga C antreten werden. Insgesamt 35 Spieler hätten sich inzwischen von dem Projekt überzeugen lassen, nicht alle mit großem Fußballtalent gesegnet, aber sehr willig, etwas zu lernen und zu arbeiten. „Manche kommen sogar drei oder viermal zum Training. Einer hat bereits 15 Kilo abgenommen. Das finde ich toll", sagt Hantzidis, der in seiner Trainerarbeit von seinem Freund und Ex-Mitspieler bei Olympiakos Piräus, Panagiotis Sofianopoulos, unterstützt wird.

"Mädchen für alles"

Derzeit ist Hantidis "Mächen für alles", spannt sogar die Tornetze vor den Testspielen. „Ich brauche hier mehr Unterstützung, seien es Betreuer, Helfer oder Sponsoren“, sendet er einen dringenden Hilferuf aus. Für seine Grundidee, „den hiesigen Griechen zu zeigen, wie stark sie sind“, nimmt er die Unbillen derzeit in Kauf, fährt nach dem Training meist direkt zur Arbeit nach Ratingen, wo er als Maschinen-Operator bei einer Beschichtungsfirma in der Nachtschicht arbeitet.
„Nach jedem Training habe ich derzeit immer gute Laune", versichert er. Die Arbeit mit den Jungs macht Spaß - und bei den Wuppertaler Fußball-Griechen soll bald auch wieder der Stolz dazukommen.

Minas Hantzidis

Am 4. Juli 1966 in Essen geboren, zog er als Dreijähriger mit den Eltern nach Wuppertal. Er ist verheiratet und hat einen Sohn.
Vereine: Eisenbahn Ost, Bayer Leverkusen), Olympiakos Piräus (’88-’96), FC Kastoria, Heraklis Saloniki, Veria FC, Wuppertaler SV (’98-2000), Elversberg, Union Solingen, TSV Ronsdorf (’03-06’), Rade
Erfolge: 24 Bundesliga-Spiele, 250 Erstligaspiele in Griechenland, 10 Länderspiele, zwei bei der WM 1994.